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Freitag, 11. Februar 2011

Krankheit, Sterben und Tod

Krankheit, Sterben und Tod sind eigentlich Themen, die nicht in dem selben Atemzug wie Faszination genannt werden - und es fällt mitunter schwer zu erklären, weshalb man seine Zeit und Energie damit zubringt, mehr über diese Themen wissen zu wollen.
Der Philosoph James Warren  (www.classics.cam.ac.uk/faculty/staff-bios/academic-research-staff/james_warren und hier: www.kenodoxia.blogspot.com) hat in seinem Buch über die Epikureische Denktradition zum Tod dazu geschrieben: "Considering death involves considering what is to live a life, and considering whether death can be a harm involves considering how to live a good life. If any questions are worth pursuing, these are.” ( Facing Death, 2004, vii). Ein gutes Leben zu führen - dieses Ziel rechtfertigt es also, Fazination für Krankheit, Sterben und Tod zu zeigen. Diese Faszination - sowohl für das gute Leben, sowie auch für die Erschütterungen durch Krankheit, Sterben und Tod - findet sich aber eher in populärwissenschaftlichen Büchern als in der akademischen Literatur.

Populäre Darstellungen zu diesem Thema neigen zu Verkürzungen, Vereinfachungen, voreiligen Schlüssen und Psychologisierungen - auch in Coaching-Büchern finden sich immer wieder diese zu kurz gegriffenen Vorstellungen und Argumentationen - das ist sehr schade, denn aus der Auseinandersetzung mit diesen Zäsuren des Lebens steckt viel Potenzial für persönliche Weiterentwicklung. Mehr noch: Krankheit, Sterben und Tod können sogar literarisch ansprechender behandelt werden, als in Coaching-Büchern - sie liefern gewissermaßen fiktionale Modelle der menschlichen Bemühungen um Klärung. Diese literarischen Modelle können dadurch real werden, weil wir uns daran orientieren und was Elizabeth Leake über den Suizid schreibt gilt genauso für alle Formen des menschlichen Todes - „We care about suicide (and in many cases condemn it) because it gives us ideas that we prefer to repress, including the idea that far from being an unnatural act, it is very much a part of the natural human repertoire …But we also pay attention to the dead – we care, even if it is not sufficient to repay the debt we owe – for the simple reason that their experiences, by definition, exceed ours, and thus they have much to teach us. In the end, our job as readers of the dead … is to bear witness, through our readings, to others’ lives and writings without feeling urgency for an interpretation that forces disparate or chaotic accretions of signs into legible formations. For in the final analysis, authorial suicides teaches more about us, the living, than about the dead. Most of all, they write us: they give us the language which to live, and after words, to die.” (After Words, 2011, 171-172)
Der Tod hat unsere Aufmerksamkeit – und die Sprache, die wir für diesen Tod finden, die Sprache, die uns die Toten zurück gelassen haben, ermöglichen uns ein besseres Verständnis unseres Lebens und Sterbens.

Die Philosophische Lebenspraxis, Coaching aber auch Kommunikationstraining, wie ich sie praktziere, haben sehr viel mit dieser Aneignung von Sprache und Denken zu tun, die es ermöglicht, zu einem besseren Verständnis vom guten Leben zu kommen. 

Das Buch von Elizabeth Leake ist übrigens bei University of Toronto Press erschienen:
www.utppublishing.com/After-Words-Suicide-and-Authorship-in-Twentieth-Century-Italy.html

Elizabeth Leake (2011) After Words. University of Torono Press











Eine ausführliche Rezension zu einem gelungenen Sammelband zum Sterben und Tod des Menschen findet sich hier: www.socialnet.de/rezensionen/10347.php

Bis bald,

Harald G. Kratochvila
www.philosophische-lebensberatung.at

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